Reise nach Malawi

 Takulandirani ku Malawi!

Willkommen in Malawi! So hieß es im Oktober für eine 16köpfige Gruppe von Spendern und treuen Helfern der ONG „Eng oppen Hand fir Malawi“. Seit über 25 Jahren finanziert die ONG Entwicklungsprojekte im St Gabriel’s Hospital in Namitete sowie in den umliegenden Dörfern. Beim Kontakt mit den Spendern wurde immer wieder der Wunsch geäussert, die Realität vor Ort einmal mit zu erleben und zu sehen wie die Gelder angewandt werden. Jetzt konnte dies umgesetzt werden.16 Spender, Freunde und freiwillige Mitarbeiter der ONG machten sich am 3. Oktober 2015 auf den Weg, um das Land Malawi und seine Menschen kennenzulernen. Weit mehr Interessierte wollten Kosten und Strapazen auf sich nehmen, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Doch die Teilnehmerzahl war leider begrenzt. Zwei Wochen lagen nun vor uns - vollgepackt mit Besuchen der umgesetzten und der laufenden Projekte, aber auchmit Eindrücken und Realitäten, wie die wenigsten es sich vorgestellt hatten.  Zu Beginn stand das St Gabriels Hospital im Mittelpunkt, das einzige Krankenhaus in der Region zuständig  für rund 300.000 Menschen. Hier wurde sehr viel in den letzten 25 Jahren investiert, damit das Spital den Anforderungen der kranken und hilfesuchenden Menschen gerecht werden kann. Doch die Arbeit eines afrikanischen Spitals geht vor der Haustür weiter. Davon konnten sich die Gäste aus Luxemburg bei einer „mobile clinic“ in Waliranje überzeugen, ebenso wie bei den Projekten in den umliegenden Dörfern. Ihnen wurde bewusst wie einfach und zugleich schwierig die Lebensbedingungen der Menschen sind und wie wertvoll ein Brunnen, eine Fahrradambulanz oder ein kleiner Schulbau für die Bevölkerung sein kann. Der Kampf der Menschen ums Überleben wurde für jeden Teilnehmer spürbar beim Verteilen von Maismehl an Familien, die besonders von den Überschwemmungen Anfang dieses Jahres betroffenen sind. Jedem wurde klar, wie mühsam es ist, unter der glühenden Hitze einen Zentner Mehl nach Hause zu tragen und dass es dennoch der einzige Weg ist, die Zeit bis zur nächsten Ernte zu überbrücken. Die Eröffnung des neuen Schulgebäudes und des Frauenausbildungszentrums in Sele wurde zum ganztägigen Fest, das lange in Erinnerung bleiben wird. Dies nicht zuletzt durch die Freude der Kinder als die langersehnten Rucksäcke mit Schulmaterial von den Teilnehmern der Gruppe verteilt wurden. Diese Aktion hatte in Luxemburg viele Unterstützer gefunden und die strahlenden Gesichter der Kinder waren der schönste Dank. Stolz präsentierten uns junge Bauern die ersten Früchte ihrer Fortbildung in diversifizierten Agrartechniken, die auf Dauer ihren Boden wieder furchtbar machen sollen. Die Besichtigung mehrerer Brunnen, die ebenfalls im Rahmen des Projektes WAWEH gebohrt wurden, machte deutlich, wie abhängig die Menschen in Malawi von sauberem Wasser sind. Chinyata, ein Dorf das zwischen 2008 und 2012 neue Schulinfrastrukturen über ein Projekt erhielt, stand ebenfalls auf dem Programm. 1700 Kinder, Jugendliche und ihre Lehrer freuten sich über den Besuch, der es ihnen erlaubte sich nochmals für die Hilfe zu bedanken.

Die Reise bestand jedoch nicht nur aus Projektbesuchen, sondern es waren auch eine Safari im South Luangwa Nationalpark in Sambia und ein kurzer Aufenthalt am Malawisee vorgesehen. Diese Abstecher waren wichtig, um einerseits die harte Realität zu verkraften, und gleichzeitig war dies eine gute Gelegenheit das Land und seine Schönheiten zu entdecken. Ein letztes prägendes Erlebnis war der Tag im Dorf Kathandirani, wo wir die Gelegenheit hatten, nahe bei den Menschen zu sein, zu sehen, wie sie leben, zu spüren, wie hart ihr Alltag ist, zu erleben wie aus ärmlichen Zutaten ein Festmahl wird und zu verstehen wie schwer gearbeitet werden muss um ganz einfach nur zu überleben. Mit einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von rund 230 Euro gehört Malawi zu den ärmsten und am wenigsten entwickelten Ländern der Welt und nimmt Platz 174 auf dem Index für menschliche Entwicklung ein. Als ressourcenarmes, infrastrukturell unterentwickeltes und bildungsschwaches Land ist Malawi in außerordentlich hohem Umfang auf ausländische Hilfe angewiesen. Also war es eine reine Geber-Reise? Nein, Malawi wäre nicht das warme Herz Afrikas, wenn nicht die Menschen vieles an die Besucher aus Luxemburg zurückgegeben hätten. Wir haben ihr Dorfleben geteilt und sie haben für uns gekocht, sie haben für uns getanzt und sich über unsere Anwesenheit gefreut, sie verzauberten uns mit ihren unwiderstehlichen Lachen und ihr Gesang klingt noch lange in uns nach. Vor allem aber gaben sie uns durch ihre Fähigkeit, trotz bitterer Armut Hoffnung, Dankbarkeit und Lebensfreude zu verbreiten, etwas von unserem verlorenen Menschsein zurück.

Weis Véronique

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rucksackaktion